Knappheiten und Lieferengpässe bei Vorleistungsgütern lassen die Preise derzeit in vielen Ländern steigen. In den vergangenen 20 Jahren waren steigende Mieten sowie Heizkosten und Strompreise die größten Preistreiber. Die Preise stiegen zwischen Januar 2000 und August 2021 um rund 24 Prozent, davon ging die Hälfte auf das Konto von Miete, Heizen und Strom. Das liegt vor allem daran, dass sie mit knapp 28 Prozent einen erheblichen Teil des repräsentativen Warenkorbes ausmachen, der die Ausgaben eines durchschnittlichen Haushalts abbildet.

Kaufkraft bei Unterhaltungselektronik gestiegen
Inflationssenkend wirkten Ausgaben für Post und Telekommunikation sowie für Unterhaltungselektronik und Computer. Ihr Beitrag zur Preisentwicklung lag in diesem Zeitraum bei minus neun Prozentpunkten. Anders ausgedrückt: Wären die Preise in dieser Kategorie konstant geblieben, dann wäre die Preissteigerung von 1990 bis 2021 um neun Prozentpunkte höher ausgefallen. Besonders stark beigetragen haben die Informationsverarbeitungsgeräte, also Computer und Smartphones, obwohl deren Kosten nur ein Prozent der gesamten Lebenshaltungskosten ausmachen. 
Der Grund für diesen Preisrückgang liegt in der Qualitätsbereinigung durch das Statistische Bundesamt. Sie ist notwendig, weil sich die Produkte ständig weiterentwickeln. So kann ein modernes Smartphone aus dem Jahr 2021 ungefähr genauso viel kosten wie ein Handy aus dem Jahr 2000. Aufgrund der Produktverbesserung können die Käufer aber pro ausgegebenen Euro mehr Funktionen nutzen. Dadurch ist in Bezug auf Smartphones die Kaufkraft des Euros gestiegen, was sich negativ auf die Inflation auswirkt. Der qualitätsbereinigte Preisrückgang bei Computer und Smartphones war dabei so stark, dass diese trotz des geringen Anteils im Warenkorb die Entwicklung der Lebenshaltungskosten sehr stark gebremst haben. 

Höhere Zinsen würden Aufschwung bremsen
Ohne die Qualitätsbereinigung würden die Produktverbesserungen dem technologischen Fortschritt zugeschrieben werden, die damit verbundenen Preissteigerungen würden in die Inflationsentwicklung eingerechnet und die Zentralbanken müssten restriktiver werden. Zentralbanken reagieren deshalb sehr verhalten auf Preiseffekte der Angebotsseite. Das ist auch in der aktuellen Situation so, in der Knappheiten und Lieferengpässe bei Vorleistungsgütern in vielen Ländern zu Preissteigerungen geführt haben. Durch höhere Zentralbankzinsen würden die Waren an den Häfen nicht schneller abgewickelt, sondern nur der wirtschaftliche Aufschwung weiter gebremst. Anders ist es, wenn die Preise aufgrund von Nachfrageeffekten ansteigen, etwa weil die Menschen mehr Geld ausgeben ohne dass mehr Güter produziert werden. Das wäre ein Inflationsprozess, den Zentralbanken durch eine restriktivere Geldpolitik bremsen müssten. Höhere Zentralbankzinsen würden die Kosten für Konsumentenkredite erhöhen, wodurch die Menschen weniger Geld ausgeben.

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